 |
März 2007 / Oktober 2008 / März 2009
Das Fratzenfragment kehrt nach fast 200 Jahren an seinen Bestimmungsort zurück.
|
Auszug Bericht Wolfgang Dehm, veröffentlicht in der Main-Post am 03.03.2009
LOHR/MASSENBUCH Relikt der Ruine Schönrain jetzt im Spessartmuseum zu sehen Leihgabe der Familie Haas überreicht – Gefährten Schönrains machten das Objekt ausfindig
(wde) Das Spessartmuseum in Lohr ist um ein Ausstellungsstück reicher: einen mit einer Fratze verzierten Sturz eines Oberlichts, der vermutlich von der Ruine Schönrain stammt und wahrscheinlich an die 500 Jahre alt ist. Am Dienstag fand die offizielle Übergabe des Reliktes statt. Dass der sandsteinerne Sturz überhaupt im Museum gelandet ist, ist dem vor viereinhalb Jahren gegründeten Verein Gefährten Schönrains & Freunde (GSF) sowie der Familie Haas aus Massenbuch zu verdanken. Aber der Reihe nach. Laut GSF-Vorsitzendem Oliver Herrmann stießen die Gefährten Schönrains in den Schriften des Lohrer Geschichtsvereins auf einen 1974 verfassten Artikel über die Klosterruine Schönrain, in welchem Dr. Rudolf Kuhn eine kunsthistorische Analyse und Würdigung der Baureste vornahm. Aus diesem Text ging hervor, dass das Objekt in einem Haus oder einer Scheune entweder in Wiesenfeld oder Massenbuch eingebaut sein sollte. Und tatsächlich wurden die Gefährten Schönrains nach längerer Recherche bei der Familie Haas in Massenbuch fündig. Mit ihrer Zustimmung wurde das Überbleibsel längst vergangener Tage ausgebaut und ein Mitglied des Vereins, der Steinbildhauer Thomas Haupt (Firma Birk und Förster, Würzburg) machte laut Herrmann aus Steinersatzmörtel zwei Kopien des Sturzes. Eine davon wurde im Anwesen der Familie Haas eingesetzt, die andere soll laut Herrmann im Frühjahr in die Burgruine Schönrain eingebaut werden. Und das Original bekam das Spessartmuseum. Dessen Leiter Herbert Bald freute sich über die Leihgabe, die er als „interessantes Stück“ bezeichnete und dankte allen Beteiligten. Während Kuhn vor 35 Jahren davon ausgegangen war, dass es sich bei dem Objekt um einen Türsturz handelt, vermutete Bald am Dienstag aufgrund der Größe (zirka ein Meter mal 40 Zentimeter), dass es einmal der Sturz eines Oberlichts war. Außerdem widersprach er Kuhns Theorie, das Objekt sei älter als 800 Jahre. Bald datierte den Stein ins 16. Jahrhundert. Zum einen aufgrund des Motivs, zum anderen wegen des Zustands des Sandsteins. Laut Gertrud Haas war der Stein „schon immer“ in ihrem Anwesen in Massenbuch eingemauert. Ihr Vater, so berichtete sie lachend, habe die Fratze als Kind mit Dreck beworfen und dabei gesagt „guck nicht so dumm“.

Fratzenfragment 2007, eingemauert in der Scheune der Familie Haas.

Steinmetz Thomas Haupt beim Freilegen des in die Außenwand eingemörtelten Neidsteins

Um das Fragment herum vollflächig aufgebrachter Zementmörtel erleichterte das Vorhaben nicht gerade. Schönrain Gefährte Richard Roth sorgt mit dem richtigen Gerät für die ersehnte Ablösung.

Mit großer Vorsicht und ganz behutsam, wird der Stein Stück für Stück freigelegt.

Eine zweite Kopie für Schönrain. Befestigt an einer Ostwand des südlichen Teils der Ruine. „Der Neid ist eine Natter, ist eine Eule, die das Licht eines fremden Glückes nicht ertragen kann“, weiß ein altes Sprichwort. Bauherren haben früher sogenannte Neidköpfe an Mauern, Türen, Torbogen oder Giebeln anbringen lassen. Der Begriff Neidköpfe basiert auf dem althochdeutschen Wort „nid“ für Hass, Zorn, Neid und meint jegliche feindliche Gesinnung. Nach altem Volksglauben sollten fratzenhafte Köpfe von Menschen, Tieren oder fabelhaften Ungeheuer, die oft die Zunge herausstrecken, das Böse und Unheil abwenden. Es war eine Art Abwehrzauber gegen unsichtbare Mächte, gegen Verwünschungen und Neid, Krankheit und Zwietracht. Vor allem die bösen Blicke von Menschen, die man als zauberkundig ansah, wie angebliche Hexen, Hebammen oder fahrendes Volk, waren gefürchtet.
Neidköpfe waren meist handteller- bis kopfgroß, selten erreichten sie in Form von einer Stufe eine Größe bis 1,50 Meter. In der Regel waren sie nach Westen gerichtet, wo man die Behausung der Dämonen vermutete.

Das Spessartmuseum in Lohr ist um ein Ausstellungsstück reicher: den Sturz eines Oberlichtes, der vermutlich aus der Ruine Schönrain stammt. Bei der offiziellen Übergabe stellten sich für ein Erinnerungsfoto (von links): Museumsleiter Herbert Bald, Oliver Herrmann (Gefährten Schönrains), Gertrud Haas und ihr Sohn Thomas Haas (Leihgeber) sowie Martin Roth (Gefährten Schönrains).WOLFGANG DEHM FOTO |
|
|

Projekt "Fratzenfragment": -Hugo Herrmann
-Thomas Haupt
-Martin Roth
-Richard Roth
-Oliver Herrmann
Artikel Main-Post
Artikel Lohrer-Echo
Wissenswertes über Fratzen & Neidsteine:
Ein Maskaron (franz. Fratzengesicht ) oder Fratzenkopf ist ein als Halbplastik ausgeführter Schmuck an Bauwerken im Innen- und Außenbereich und, in kleinerer Form, an Möbeln, Gefäßen und Waffen.
weiter lesen...
|